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Stufenvorstellung Die Vorstellung des Abijahrgangs 99 auf dem Abi-Ball von Tilman Sattler. Leider nur der 2. Teil, somit taucht gar nicht jeder hier auf. Idee war ein Wiedertreffen an der Uni in - weiß ich nicht mehr - Jahren. [...] Ich trete in das Hauptgebäude ein und komme am einzigen Kaffeeautomaten der Uni vorbei, als mich von der Seite jemand anlabert: „Hey, Typ, mach mir mal nen Kaffee klar!“ Ich drehe mich um und sehe einen verschlafenen Christoffer Sinn neben mir stehen. Natürlich bekommt er von mir die nötigen Groschen. Ein Christoffer Sinn braucht seinen Kaffee. Als wir gerade die letzten Abschiedsfloskeln austauschen, werden wir plötzlich von einem ohrenbetäubendem Lärm unterbrochen: Der Campus DJ Tobias Witte M.C. hat seine große Stunde. Beswingt von den Discobeats und mit wiegendem Schritt bahne ich mir den Weg durch die tanzende Menge und renne beinahe Julia Seevers über den Haufen, die umringt von zehn braungebrannten LatinLovers Rumba tanzt. Bailando, Bailando. Etwas benommen von den dröhnenden Bässen rette ich mich ins Freie, als mich ein nagendes Hungergefühl überkommt. Suchend drehe ich mich einmal um mich selbst, und mein Blick bleibt an einem einladend aussehenden Schnellrestaurant hängen. Gerüche von scharf gebratenem Hammelfleisch und Falafel schlagen mir entgegen. „Muni und Arams Persische Spezialitäten“ heißt der Laden, und ich entschließe mich hineinzugehen. Ich stelle mich hinten an und höre eine vertraute Stimme: „Ey, dieser Laden ist fett, echt fett ist dieser Laden, ey ich sag’s Dir.“ Vor mir steht Matthias Remmele, in der einen Hand einen saftige Hammelkeule, in der anderen eine Schachtel Zigaretten, die er großzügig an alle umstehenden verteilt. „Das war ja genau das richtige“, denke ich mir, „und jetzt noch eine gepflegte Zigarette nach dem Essen.“ Ich setzte mich auf eine Bank und zünde sie an. Nach zwei, drei guten Zügen merke ich, dass ich nicht allein bin auf dieser Bank. Neben mir sitzt eine junge Frau, versunken in tiefster tantrischer Meditation. „Hey, wenn das man nicht Nora Trainer ist, schön dich wiederzusehen“, sage ich, doch keine Reaktion. Nur ihre Aura verfärbt sich ins leicht grünliche. Gut, dann ist das wohl nicht der passende Augenblick, sage ich zu mir selbst und drücke die Zigarette auf dem Fußboden aus. „Wusstest Du schon, dass eine Zigarettenkippe drei Badewannen voll Trinkwasser verschmutzt? Stell dir mal vor, wir haben eine Bachstelze auf unserer Terrasse und die singt schon ganz heiser, weil sie bei meinen Eltern passiv mitraucht!“ „Hallo Karoline Stertkamp, ja du hast natürlich recht, danke für den Tipp.“ „Oh nein, was für ein Irrtum. Rauchen ist Kunst, Lebensgefühl, Leidenschaft“, schneit uns plötzlich Nils Rose entgegen und er hat sichtlich Probleme, seine Tasche , einen Becher Kaffee und die neuste Ausgabe der ZEIT auf seinen Armen zu balancieren und sich dabei noch eine Prince 100 in den Mund zu stecken und anzuzünden. „Unter diesen Umständen ist Rauchen wirklich eine Kunst“, sagt Karoline, und wir beide lachen herzlich. Doch das Lachen dauert nicht lange an, denn es wird übertönt von einem Requiem. An uns vorbei zieht ein Trauermarsch von in schwarz gekleideten Todesboten. „Wir tragen das Hamburger Bildungssystem zu Grabe“, skandiert der Zug, an deren Spitze Nicola Naber und Alexander Schnieber einen hölzernen Sarg tragen. Verzweifelt versucht Rosemarie Raab ihrem sicheren Schicksal zu entkommen und sich aus dem Sarg zu befreien, doch gegen Jan Laubach, der sie mit einem Florettdegen genlemanlike in ihre Schranken weist, hat sie keine Chance. „Oh, dir arme Frau, die arme Frau Raab, sie blutet ja überall. Lauter kleine Einstiche, das kann ich nicht mit ansehen.“ Konstanze Mach kümmert sich liebevoll um die Wunden Rosemarie Raabs, wäscht sie mit warmen Wasser aus und flößt ihr heißen Kräutertee ein. Von dem gewaltigen Massenaufmarsch noch ganz benommen stehe ich auf dem Campus ein wenig neben mir. Was nun? Gerade möchte ich mich in eines der gemütlichen Studentencafes zurückziehen, als ein anthrazitfarbener Golf 2, über und über mit Sylt-Aufklebern versehen, neben mir hält, und eine schnittige Blondine das Fenster herunterkurbelt: „Hey man, lange nicht gesehen, lass mal Party machen, los wir fahren ins Viva.“ Zu meiner Überraschung identifiziere ich die Blondine als Carolin Schmidt und bereitwillig steige ich ein. Leider ist das Viva überfüllt, weshalb ich freundlicherweise im Tontaubenclub abgesetzt werde. Vom Tresen her kann ich deutlich ein schrill schallendes Lachen vernehmen, was mich neugierig macht. Ich folge dem Lachen in Richtung Tresen und sehe, dass ich mich nicht getäuscht habe. Dort fällt Franziska Teichert vor lachen fast vom Barhocker, während ihre Cousine Constanze ihr einen versauten Witz nach dem anderen erzählt. Nachdem Franziska hyperventilierte und die notwendigen Soforthilfemaßnahmen getroffen waren, fiel mir ein, dass mein eigentlicher Bestimmungsort die Uni sein sollte. Abier wie komme ich dahin? Am besten mit dem Taxi. Allerdings ließ sein solches lange auf sich warten, und ich beschloss, zu Fuß in die Innenstadt zu gehen. Um den kürzesten Weg zu nehmen, wollte ich entlang der Bahnschienen laufen. Ungefähr auf der Höhe Tiefstack sehe ich unterhalb des Bahndammes ein Schild: „A. R. Pferdekutschenservice International“ Meine Rettung. „Befördern Sie auch einzelne Personen?“, frage ich die junge Dam am Tresen und bemerke just, dass ich es mit Anna Radtke zu tun habe. Nach einem kuren Hallo brachte mich dann die Firmenchefin höchstpersönlich mit einer vierspännigen Expresskutsche bis vor das Hauptgebäude der Universität. Gerade im Begriff, die Uni zu betreten, bemerke ich die sanften Klänge des Jazz-Klassikers Cantaloop Island mein schmeicheln. Das klingt aber shcön, so gute Straßenmusikanten hört man gern. Ich zücke großzügig einen Zehner und leg ihn in die Wollmütze zu Füßen des Trompeters. Er sieht es und dreißig Sekunden nickt der Musiker freundlich. Ich habe natürlich längst bemerkt, dass es sich um Ralf Leppin handelt. Auf einmal kommt eine Schar von sechs Kindern mit ihrer Mami vorbei. „Ich möchte ein Eis“, „ich will auch Tromete spielen“, „warum hat der Mann eine Wollmütze auf dem Boden liegen?“, „warum guckt der andere Mann dich so komisch an?“ Mit letzterem war natürlich ich gemeint, denn ich war äußerst erstaunt in der Mutter meine Klassenkameradin Anna Lena Miller zu erkennen. „Leider habe ich keine Zeit“, entgegnet sie auf meine Begrüßung, „ich muss meine anderen drei Kinder vom Kindergarten abholen.“ Schade, denke ich, und lasse sie ziehen. Auf einmal höre ich Reifen quietschen und ein lauter Knall ertönt. Erschüttert sehe ich, wie das Büschdenkmal zu rLInken des Hauptgebäudes in seinen Festen wankt und schließlich schwerfällig umfällt. Vom Sicherheitsdienst über Handy gerufen kommt Vincent Büsch noch im Bühnenkostüm aus dem Schauspielhaus angelaufen und trommelt mit beiden Fäusten auf die Motorhaube des weinroten Volvo Kombis, welcher das mOnument zu Fall brachte. „Wist du des Waaaaahnsinns? Das war das Denkmal meines Ururgroßvaters.“ „Ist ja gut, ist ja gut“, ruft die Fahrerin des Volvos. Es ist Leefke Weichselbaum. „Den Schaden zahle ich von meinem Preisgeld. Ich bin nämlich auf dem Weg zu den Weltmeisterschaften im Mittelalterlichen Hexentanz.“ Ich überlasse die beiden ihrem Schicksal und gehe in das Gebäude, um mir in der Bibliothek noch ein wichtiges Buch auszuleihen. Auf dem großen Flur werde ich unsanft von hinten angerempelt. „Oh, ich wollt nur, ich dacht nur, oh Entschuldigung, ähm, nich so schlimm, oder, ich mein ja nur ...“ Und schon war Olaf Schimmel wieder an mir vorbeigelaufen. Naja, er hatte es wohl eilig. Endlich in der Bibliothek angekommen suche ich nach dem Bibliothekar, kann ihn aber nicht finden. Ich gehe in die Abteilung Gerüchte und mündliche Überlieferungen und sehe Venja Stobbe gerade ein Tonband besprechen. Da willst du lieber nicht stören, denke ich, und verlasse die Bibliothek, mich auf eine anderes mal vertröstend. Ich lustwandle gedankenversunken durch die langen Flure der Universität. Eigentlich, denke ich in einem Anflug von Melancholie, eigentlich wärest mal wieder reif für eine Beziehung. Und als ob das Schicksal Gedanken lesen könnte, stehe ich vor einer Leuchtreklame mitten in der Uni. „Keiner will Dich, keiner mag Dich, reif für eine Beziehung?“ Es ist das Schild der studentischen Partnervermittlung. Erwartungsgeladen trete ich ein. Hinter dem Beratungsschreibtisch sitzt Sabine Mittelberger und berät eine Person, die mir ihren Rücken zukehrt. Das einzige, was ich erkennen kann, ist, dass sie Unmengen von Schokolade verzehrt. Sie brauche dringend einen Freund, am besten gleich zwei oder drei, denn Schokolade ist auf Dauer zu teuer. An der Stimme erkenne ich , dass es sich um Helai Shahalemi handelt, gebe den beiden einen Kuss auf die Wange und verlasse die Partnervermittlung. Es ist schon spät mittlerweile, und der lange Weg entlang der Bahnschienen hat mich erschöpft. Vollkommen abgeschlafft sine ich auf einen Stuhl und döse vor mich hin. Doch plötzlich werde ich von lautem Geschrei aufgeweckt. „Guckt euch das mal an, los schnell, die ist ja ganz nackt.“ Ich gehe dem Geschrei auf die Spur und nähere mich der Lärmquelle. Auf einmal flitzt sie an mir vorbei, die nackte Gestalt, der alle hinterherlaufen. „Oh mein Gott, Cissy“, entfährt es mir, und ich laufe hinterher, um meiner Klassenkameradin Franziska Walde ein Handtuch zu bringen, mit dem sie ihre Blöße bedecken kann. Ein wenig belustigt trete ich nach draußen. Klark! Mit voller Wucht bekomme ich einen Hockeyball gegen die Stirn gedonnert. „Autschi, das muss weggetan haben!“ [...] |
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