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Fußlahm im Kopf Nüchterne Analyse einer ernüchternden Impression aus unnüchterner PerspektiveDie Konferenz betraten wir ein wenig fußlahm im Kopf sozusagen, was nicht weiter verwunderlich war, hatten wir doch vorher einen geraucht, wie wir es eigentlich immer gemacht hatten, vor Konferenzen. Nicht nur zu Konferenzen, nein, ich erinnere mich och sehr gut an diesesn Schulstreik, wo wir auf Kästen in der Sporthalle standen, und nicht wußten, was wir sagen sollten, und es dann doch schafften, die Leute zuzutexten. Die anschließende Abstimmung, die zugegebenermaßen sehr kreativ war (Gegen in die eine, Befürworter in die andere Hälfte der Halle) verlief zu unserem Gunsten. Ich habe mich in dieser Zeit immer gefragt, womit wir die Leute angesteckt hatten, breit konnten sie nicht gewesen sein. Wir waren es, das war es vermutlich. Besagte Konferenz. Wir kamen rein. Ich wußte nicht, wo ich mich verstecken konnte, um zu lachen, denn es war zum Lachen, ein Haufen von vollkommen nüchternen Lehrern um ihre Vierertische, zuforderst der Schulleiter und sein Stellvertreter, daneben die Mittelstufenkooridnatorin, Vorher war ich mir nie über die durchaus nützliche Existenz meiner Wangeninnenseiten gewahr gewesen, aber dort lenrte ich sie zu schätzen, als Kompensatoren meiner Lachreize. Mit Inbrunst und dringender Notwendigkeit knetete und bearbeitete ich sie mit meinen Backenzähnen. Herrlich. Aber im nächsten Moment war es schon vorbei mit meiner Herrlichkeit. Stühle mußten her, und da wir ohnehin schon zu spät waren, entpuppte sich sich das als ein richtiges Problem. "Zwei sind noch im Rauch", flüsterte mir die in die Jahre gekommene Sportskanone zu, und meinte damit das angrenzende Raucherlehrerzimmer. "Ah prima, danke", Aber zwei reichten nicht. Nun standen wir ein wenig verloren da, wo sollte denn der dritte Stuhl her? Alle Blicke waren auf uns gerichtet, und ich konnte kaum gerade gucken. Erst einmal setzen. Also gut. Ich setzte mich. Stand wieder auf, holte meine Tasche und setzte mich wieder. Stand wieder auf, holte den Rucksack meines Kollegen, und setzte mich endgültig. Unseres Sachen waren nämlich beim Stühleschleppen in der Tür liegengeblieben. So, endlich Zeit, durchzuatmen, und ein Rundumschau zu machen. Auf meiner Rundumschau merkte ich, daß diejenigen, die vom Referat Konzeptgruppe Oberstufe nicht begeistert waren, einen bestimmten Punkt im Raum fixierten und nicht wieder aus den Augen ließen. Das konnte eigentlich nur ich sein, blickte ich doch jedem dieser Lehrer in die Augen. Und auf einmal wurde mir ganz heiß, denn ich hatte vergessen, daß ich völlig breit war. Hatte ich zu rote Augen, hatten wir bei unserem Auftritt eine zu große Wolke Marihuana mitgebracht? "Nein, das konnte es beides nicht sein", dachte ich, und war erlöst, denn die dritte von uns kam zur Tür herein uns sorgte für etwas Ablenkung. "Habt ihre denn keinen dritten Stuhl geholt?" hallte es von hinten, als sich die dritte von uns etwas verloren vorkam in dem überfüllten Raum, und von der Seite puffte es mich in die Rippen: "Geh doch mal in die Bibliothek, dort steht noch einer." Was das wieder für einen Lärm machte! Aber schlußendlich war es soweit, nach einer halben Ewigkeit saß ich neugierig und mit schreibfertigem Notizblock auf den Knien in meinem Sessel.
"... erreichte mich ein Schreiben der Schulbehörde", referierte der graue Schulleiter, "in dem wir aufgefordert werden zur Stellungnahme, zu den noch ausstehenden aber wahrscheinlich kommenden Beschlüssen des Senats zu Lehrerstellenkürzungen in der Hansestadt Hamburg, und ich bitte sie, dies mit besonderer Beachtung zu ... äh, Betrachtung, na, ihre Aufmerksamkeit zu schenken." Klopfen. Wow, was für ein Rethoriker. Aber scheinbar war der bärtige Physiker damit nicht einverstanden. "Ich finde, wir solten ersteinmal hinterfragen, welche Intention hinter dieser Aufforderung zur Stellungnahme steckt. Für mich ist die Sache ganz klar, mit diesem Brief schaffen sie ein Ventil, das den kritischen Stimmen Raum läßt, gleichzeitig aber einen Diskurs verhindert und sie somit ungehört verklingen." "Ja,
ähm, so denke ich auch, ähm, und hier liegt es dann an der ...
äh ... Konferenz, einen Beschluss zu fassen." Nächster Punkt. Von der Farblosigkeit dieses Mannes war ich schon betroffen genug, dass er mir aber in so vehementer Form auch noch seine Inkompetenz offenbaren musste, versetzte mir einen regelrechten Schock und ließ mir ein wenig schwindlig werden. Zumindest war mir schwindlig. Konnte auch anderes dran schuld sein. Die Konferenz schritt fort, unerbittlich, nicht einmal mehr die Lehrergesichter waren interessant, und so war es eigentlich immer auf Konferenzen. Du kommst in einen Raum, der ist hell erleuchtet, und alles ist ordentlich. Die Kaffeekannen stehen, eine pro Tisch, immer neben den Topfblümchen. Pro Tisch zwei Zettelspender, eine Serviette, manchmal Kekse. Das mit den Keksen ist von Konferenz zu Konferenz unterschiedlich. Obwohl es nicht sein kann, glaube ich, dass immer wenn ich richtig stoned bin, keine da stehen, was mich jedesmal ärgert, ihr kennt es ja. Oder auch nicht, aber auf jeden Fall solltet ihr es kennen, denn es ist ein schönes Gefühl, außer, wenn keine Kekse da sind, versteht sich. Einmal, da war es nicht schön, da konnte ich ich nämlich nicht sprechen, die Zunge klebte mir vor Trockenheit am Gaumen, un da es nur eine Schülerratskonferenz war, gab es keinen Kaffee. Dumm gelaufen. Jedenfalls: Auf diesen Konferenzen wird dann geredet, über Probleme und über Lösungen. Meistens wird auf Konferenzen nur geredet, manchmal auch geschlafen, dann aber heimlich. Nach den Konferenzen bilden sich kleine Gruppen, und man redet weiter, und keiner rennt raus, um das Problem zu lösen, vielleicht sind die Lösungen nicht genug. Das wäre ja kein Wunder, denn auf Konferenzen heisst es dann, "dies ist grundsätzlich möglich" oder "das ist grundsätzlich nicht möglich" oder "das sollte mal angedacht werden zu tun". Meistens ist es dann doch nicht möglich oder erstrecht oder trotzdem möglich, auf jeden Fall wissen sie wohl nicht, was ein Grundsatz ist, und ich weiss es auch nicht, auf Konferenzen jedenfalls, und die Leute denken halt nur drüber es zu tun, und ich habe vergessen zu sagen, dass man ausser zu schlafen und zu reden auch noch denkt auf Konferenzen, manchmal jedenfalls. Afu dieser Konferenz wurde viel zu wenig gedacht und, als ich aus meiner Denkschleife von Platon, dem Universum über Microkosmos hin zu Macrokosmos erwachte, merkte ich, dass sie doch tatsächlich über Drogen sprachen. Nicht alle versteht sich. Ein paar schliefen, wenige dachten. |
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